Arnaldur Indriðason: Kältezone

29. März 2016
Lennart

arnaldur-indridason_kältezone

Der sechste Fall für Kommissar Erlendur und seine Kollegen von der Kripo Reykjavík beschäftigt sich mit der politischen Vergangenheit der Romanfiguren. Krimiautor Arnaldur Indriðason gibt im Verlauf des Buchs „Kältezone“ authentische Rückblicke in die Zeit des Kalten Krieges, in dem sich zwei von Grund auf verschiedene Systeme gegenüberstehen und weder vor Spionage und Intrigen noch vor Denunziation zurückschrecken.

Anlass für die Ermittlungen ist ein menschliches Skelett, das durch Zufall in einem See südlich von Reykjavík gefunden wird. Die Tatsache, dass die Leiche festgebunden an ein Sendegerät aus sowjetischer Produktion im Wasser versenkt wurde, lenkt die Aufmerksamkeit der Polizei auf die Geschehnisse während des Kalten Krieges.
Island war aufgrund seiner geografischen Lage zu dieser Zeit ein strategisch wichtiger Stützpunkt für die USA. Doch hat es auf isländischem Boden tatsächlich Spionage zwischen den Westmächten und den sowjetischen Alliierten gegeben? Und ist es in Folge dessen zu einem Mord an einem der ehemaligen Spione gekommen?

„Der Kalte Krieg war in vollem Gange, und die russische Spionagetätigkeit hierzulande war eine Tatsache. Die Amerikaner haben selbstredend auch spioniert, aber sie waren die befreundete Nation. Der Russe war der Feind.“
Arnaldur Indriðason Kältezone (© Bastei Lübbe)

Um den Toten zu identifizieren, recherchiert die Polizei nach Vermisstenfällen in diesem Zeitraum und stößt auf einen Mann, dessen plötzliches Verschwinden diverse Ungereimtheiten offenbart. Mehr wegen seines unerklärlichen Bauchgefühls als auf Basis tatsächlicher Fakten, nimmt sich Kommissar Erlendur dem neu aufgerollten Fall an. Dass die Ereignisse inzwischen weit in der Vergangenheit zurückliegen und Botschaften unterschiedlicher Länder darin verstrickt sind, erschwert die Nachforschungen zusätzlich. Langsam ergibt sich aber ein schlüssiges Bild, das von persönlichen Schicksalen und Tragödien gezeichnet ist.

Gleichgültig, wie viele Jahre auch vergingen, die Sehnsucht war immer gleich schmerzhaft, der Verlust genauso unbegreiflich wie zuvor. In späteren Jahren versuchte er es zu vermeiden, über ihr Schicksal nachzudenken. Früher hatte er sich endlos mit dem Gedanken daran gequält, was mit ihr geschehen war, nachdem man sie abgeführt hatte.
Arnaldur Indriðason Kältezone (© Bastei Lübbe)

Privat muss sich Erlendur mit verschiedenen Problemen herumschlagen. Seine drogenabhängige Tochter unterzieht sich zwar einer erneuten Therapie, ist aber weiterhin sehr labil. Der Sohn, Sindri Snær, steht aus heiterem Himmel vor Erlendurs Tür und scheint trotz der langjährigen Distanz nun auch die Nähe zu seinem Vater zu suchen. Valgerður, die er im Zuge des letzten Falls kennengelernt hat, ist emotional noch mit der Trennung von ihrem untreuen Ehemann beschäftigt, und bittet Erlendur um Geduld. Dennoch wirkt es so, als würde der Kommissar langsam zu sich finden und sich einem Kapitel aus seiner eigenen Kindheit stellen, das er lange Zeit verdrängt hatte.

Über den Autor

Arnaldur Indriðason, 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und war Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunbladid. Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavik und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Arnaldur Indriðasons Vater war ebenfalls Schriftsteller. 1995 begann er mit Erlendurs erstem Fall, weil er herausfinden wollte, ob er überhaupt ein Buch schreiben könnte. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten. Seine Kriminalromane „Nordermoor“ und „Todeshauch“ wurden mit dem ?Nordic Crime Novel’s Award? ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt der meistverkaufte isländische Autor für „Todeshauch“ 2005 den begehrten „Golden Dagger Award“ sowie für „Engelsstimme“ den „Martin-Beck-Award“, für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden.Arnaldur Indriðason ist heute der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane werden in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt. Mit ihm hat Island somit einen prominenten Platz auf der europäischen Krimilandkarte eingenommen.

Quelle: © Bastei Lübbe

Buchinfos

Autor
Titel
Genre
Verlag
Übersetzung
Umfang

Autor

Arnaldur Indriðason

Titel

Kältezone

Genre

Krimi

Verlag

Bastei Lübbe

Übersetzung

Coletta Bürling

Umfang

416 Seiten (Taschenbuch)

Ist Dein Interesse geweckt?

Cover: © Bastei Lübbe

No comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.